SWISS MECHATRONICS Tour (Rückblende)


26./27. Oktober 2017, FAULHABER MINIMOTOR SA u.a.

Brutstätten für Innovation: SWISS MECHATRONICS zu Besuch im Tessin

Im Rahmen der ersten SWISS MECHATRONICS TOUR am 26. und 27. Oktober 2017 besuchten zahlreiche Mitglieder und Nicht-Mitglieder des Clusters Swiss Mechatronics den Kanton Tessin. Sie erlebten den sonst touristisch geprägten Kanton als innovativen Industriestandort. Zum Thema Komplexität wurden Vorträge und Betriebsrundgänge geboten. Das Format erlaubte Netzwerken der Teilnehmer in ungezwungener Atmosphäre. In intensiven Gesprächen kam auch der eine oder andere Deal zustande. Die ursprüngliche Idee für das neue Veranstaltungsformat kam vom Swiss-Mechatronics-Mitglied FAULHABER Minimotor SA, dem Antriebsspezialisten mit dem weltweit grössten Portfolio an Miniatur- und Mikroantrieben. Als Kooperationspartner konnten die Firma Mikron – der Experte für Fertigungs- und Automatisierungslösungen - sowie die Fachhochschule Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana „SUPSI“- Drehscheibe für wissenschaftliche Kenntnisse und technologischen Fortschritt, gewonnen werden.

 



FAULHABER – Komplexität bestens im Griff

Die im Jahr 1947 gegründete familiengeführte Unternehmensgruppe FAULHABER gehört heute zu den führenden Unternehmen im Bereich hoch entwickelter Miniatur- und Mikroantriebe. Im Schweizerischen Tessin entwickelt und fertigt die Firma – Erfinder des höchst effizienten DC-Motors mit eisenloser Wicklung – seit 1962 Antriebslösungen. Mangels Eisenkern sind die Motoren leicht und entsprechend dynamisch in der Bewegung. FAULHABER definiert sich nicht als Branche, erfindet sich stets neu in Produkten und unzähligen Anwendungen, in autonomen Unterwasser-Robotern bis zu Applikationen in Satelliten und Raketen. Der Trend zur Automatisierung bringt neue Entwicklungen im Bereich der Medizin- und Laborautomation. Letztere strebt die Analyse nahe beim Patienten an. Dies fordert für Klinik und Praxis neue Produktkonzepte. Im Fokus stehen z.B. ferngesteuerte Operationsroboter sowie miteinander verbundene, aber autark arbeitende Roboter und Systeme.

 

„Damit wir stets die Nase im Wind haben, realisieren wir komplexe Projekte zusammen mit dem Kunden, die als Komplettlösung mit Anbauten auf den Markt kommen“, erklärt Rolf Leitner, Verkaufsleiter Schweiz. „Ein Beispiel dafür sind die neuen Motion Controller, dank derer sich unsere Antriebslösungen in übergeordnete Leitsysteme oder SPS-Systeme einbinden lassen.“ Doch die Antriebe sollen noch kleiner, effizienter und geräuscharmer werden, das Motion Control Sortiment wird laufend ausgebaut.

 

Mit ‚Customizing‘ in die Zukunft

Stets gilt es, noch innovativer und effizienter zu werden, Top-Qualität hochzuhalten, aber auch dem hohen Kostendruck zu begegnen. Neben der kundenspezifischen Entwicklung setzt FAULHABER deshalb den Standard nahe der Endanwendung an, damit nötige Anpassungen nur noch geringe Modifikationen erfordern. Zuverlässig, sicher und hochpräzise finden Kleinstantriebe den Weg z.B. in die Medizintechnik. So umfasst der leistungsstarke DC-Motor mit 200 mNm Dauerdrehmoment bis zum filigranen Mikroantrieb mit 1,9 mm Durchmesser ein Portfolio von über 25 Mio. Kombinationsmöglichkeiten. Das Spektrum beinhaltet intrakorporale Blutpumpen als Ersatz der Herz-Lungenmaschine, kompakte und vollautomatische Blutdruckmesser oder Arzneimittelpumpen für individuelle Wirkstoffdosierung am Patienten. In der Prothetik sorgen Kleinstantriebe dafür, dass myoelektronische Handprothesen schnell und fest zupacken. Die Mikroskopbrille mit automatischer Fokuseinstellung ist für Chirurgen bereits Standard.

 

Geheimrezept Komplexitätsmanagement

Der FAULHABER Geschäftsleitung ist klar, dass Komplexitätsmanagement ein Schlüssel zum Erfolg ist, denn die Produktvielfalt hat sich aufgrund des verstärkten Wettbewerbs und globaler Expansion in den letzten Jahren stark vergrössert. Komplexität ergibt sich auch durch die Branchenvielfalt, die FAULHABER mit individuell angepassten Antrieben versorgt. Standardprodukte alleine haben heute kaum mehr Chancen auf dem Markt. Gefragt sind ‚Customized‘ Produkte, individuell auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. Diese gilt es mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand rasch zu liefern. Das bedeutet, kundenspezifische Varianten in der Fertigung möglichst weit nach hinten in die Endmontage zu legen, was bereits in der Produktplanung zu berücksichtigen ist. Es gilt, positive Effekte der Komplexität zu nutzen, negative zu kontrollieren und zu reduzieren. Ein Unternehmen, das Komplexität beherrscht, besitzt ein exzellentes Werkzeug, um Wettbewerbsvorteile zu nutzen und Optimierungspotenzial zu erschliessen. Das zeigt sich am Beispiel der Auswirkungen von Konstruktionsanpassungen, einer veränderten Produktionssteuerung der Baugruppenfertigung sowie angepassten Abläufen in der Endmontage: Der Rückgang bei Rüstzeiten beträgt ca. 40%, die Varianz bei Magnetsystem 60% und bei Durchlaufzeiten 62%.

www.faulhaber.com

 

Mikron: Innovativer Geist gefragt

Als im Jahr 1908 in Biel die Maschinenfabrik Mikron AG gegründet wurde, lieferte sie den Input für die Industrialisierung der damaligen Uhrenindustrie. Doch schon 1986 mit der Übernahme der Albe SA in Agno und deren Verkaufsniederlassung in Tokio, vollzog Mikron den ersten Schritt zur weltweiten Präsenz. Heute entwickelt, produziert und vertreibt die Gruppe Automatisierungs- und Fertigungssysteme für präzise und produktive Herstellprozesse. Abnehmer sind Automobil-, Pharma-, Medizintechnik-, Konsumgüter-, Schreibgeräte- und Uhrenindustrie. Mikron SA Agno ist Hauptsitz der Division Mikron Machining. Sie entwickelt und baut Fertigungssysteme für die Produktion von kleinen bis mittelgrossen Einzelteilen aus metallischen Werkstoffen.

Das ist kein leichtes Unterfangen, denn heute gilt es vor allem, die Komplexität der Produkte im Griff zu haben. In Design und Engineering sind die Herausforderungen neue technische Lösungen, die Nachfrage nach hoher Leistung und kurzer Vorlaufzeit. Für die Produktionsstätten heisst die Konfrontation Durchlaufzeiten halten, fehlendes Material und Problemlösung. Und für die Qualitätssicherung bedeutet es High mix/Low volume, der Druck auf rasche Problemlösung sowie die Sicherung von Wissensmanagement. „Wir reduzieren Komplexität mit der Kaizen-Methode, das heisst: jeder Mitarbeiter soll seine Tätigkeit und seinen Arbeitsplatz kritisch hinterfragen und seine Arbeitsweise tagtäglich ein wenig verbessern“, erklärt Quality Manager Stefano Sartorio.

www.mikron.com

www.mikrontool.com

  

SUPSI Manno – Innovatoren am Werk

Die im Jahr 1997 entstandene Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) betreibt angewandte Forschung in vier Departementen mit über 20 Forschungsinstituten und Kompetenzzentren. Vier Institute zeigten den Teilnehmern der Swiss Mechatronics Tour anhand konkreter Beispiele, wie der Know-how Transfer zu regionalen Unternehmen umgesetzt wird. Stellvertretend sei hier das Institut für Informations- und Netzwerksysteme genannt. In einem von der Kommission für Technologie und Innovation KTI geförderten Projekt geht es um die Datenerfassung und Klassifizierung von Menschen und Personenwagen. Im Projekt - mit der ETH Zürich und der in Informationstechnologie tätigen DOS Group SA in Mendrisio - entstand ein System, das in Echtzeit Informationen von Videoquellen extrahiert und sie entsprechend morphologischen und chromatischen Charakteristiken systematisiert. Damit ermöglicht es einen drastischen Rückgang des nötigen Bearbeitungsaufwandes für die Zeit- und Ort-basierte Suche nach interessanten Objekten im Rahmen einer polizeilichen Untersuchung.

www.supsi.ch

 

AGIRE Foundation: Fruchtbarer Boden für Innovationen

Eine Verbindung zwischen Forschung und Industrie bietet die AGIRE Foundation, welche die Swiss Mechatronics Tour als Sponsorin unterstützte. Die Stiftung koordiniert das regionale Innovationssystem. Sie ist verantwortlich für den Technopark Tessin, wo sie auch ihren Sitz hat. Von dort aus organisiert sie Veranstaltungen, engagiert sich im Technologietransfer und unterstützt erfolgreich im Technopark ansässige, innovative Start-Ups.

www.agire.ch

 

Positive Bilanz

„Anlässe wie die SWISS MECHATRONICS Tour sind ein Symbol für unser Bemühen, innovative Köpfe aus Forschung und Industrie zum Gedankenaustausch zusammenzubringen“, bilanziert Prof. Hans-Wernher van de Venn, Präsident von SWISS MECHATRONICS. „Wenn durch diese Gespräche Kooperationen und gemeinsame Projekte entstehen, ist dies für uns ein positiver Anstoss. In diesem Sinn laden wir Interessenten herzlich ein, mit uns unverbindlich Kontakt aufzunehmen – oft ergibt sich durch unsere Diskussion eine kreative und vor allem produktive Partnerschaft mit Zukunftspotenzial.“

 

Schauen Sie sich das Video zur Veranstaltung an.

 

 

 

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